Tag Archives: Fallacy

Konjunktur, Wachstum und Entwicklung im Wissenschaftsverständnis

Seit letzten Mittwoch hat die USA rund 500 Milliarden mehr Sozialprodukt (BIP). Dies aufgrund einer technischen Änderung der Berechnungsmethode. So werden nun v.a. immaterielle Güter neu als Investitionsgüter anstatt Vorleistungen berücksichtigt. Komischerweise (im Wortsinn), werden jetzt z.B. Ausgaben für Filme und lang laufende Fernsehserien wie “Seinfeld” (oder Simpsons?) zum Investitionsgut erklärt. Diese Massnahme alleine fügt dem BIP rund 70 Milliarden hinzu[1].

Dieser Anlass wirft wieder einmal (1,2) Licht auf eine ganz dunkle Stelle der Ökonomie: Die Messung derjenigen Zahlen, die wir dann auf Nachkommastellen genau voraussagen (und später – wie jetzt – in extremis bis zu 80 Jahre zurück gehend revidieren). Das betroffene BIP gilt im Allgemeinen als wichtigste ökonomische Kennziffer und unterliegt eben neben einer ganzen Reihe von Messungenauigkeiten auch purer Buchhaltungsabmachungen. Durch die Änderung der Berechnungsweise wird wieder in Erinnerung gebracht, wie technisch abstrakt diese Variable “BIP” eigentlich ist. Wachstum letztendlich nur eine Buchhaltungssache?

Das Spannende an diesem heute so alltäglichen Wort “Wachstum”, ist vorerst m.E. zweierlei: Erstens, dass es ein relativ neuer Begriff ist, der erst seit der Keynesianischen Revolution durchgehend Einzug gehalten hat. Zweitens führte dies dazu, dass das BIP, welches üblicherweise mit Wachstum gemeint ist, eine ausgeprägte, typisch keynesianische, konsumptive Konnotation trägt. Was sich als Sozialprodukt im Namen ziert, ist bei genauerem Hinschauen eigentlich die Gesamtkonsumption. In toller Art hat dies kürzlich bawerk.net dargelegt.

Ich werde den Anlass dazu nutzen, um den Fokus auf die Begrifflichkeiten zu lenken. Schumpeterianer und andere “Österreicher” bevorzugen den Begriff der “Entwicklung” anstatt “Wachstum”. Es folgt ein längerer Beitrag zu den Begriffen Konjunktur, Wachstum und Entwicklung.

Die Kernaussagen in der Übersicht:

  1. Konjunktur wird heute vielfach als rein abstrakt statistisches Problem der Wachstumszeitreihe (BIP/Sozialprodukt) gesehen.
  2. Wachstum ist nicht zu verwechseln mit Entwicklung. Wachstum entspringt einem anderen Geiste..
  3. Bis zur keynesianischen Revolution gab es keine Dominanz des Wachstumsbegriffes über den Entwicklungsbegriff in der Ökonomie.

Der Artikel sollte mit wenig Vorraussetzungen zu verstehen sein. Er orientiert sich an den üblichen “Schulwahrheiten” der Ökonomie. Ich beschreibe Ansichten und typische Arten des Denkens in der aktuellen Ökonomie über die genannten Begriffe. Wo TES ansonsten allgemeine Paradigmen kontrovers betrachtet (1,2), behalten wir diese bei diesem Beitrag ganz bei, um v.a. den Begriff der “Entwicklung” zu etablieren.

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When Keynes is Hayek and Menger is Schmoller

For a long time, economics felt to me to be strictly divided in schools, or at least mainstream and “weirdos”. It seems though, that wherever I thought there was a big, even war-like discrepancy between economists on some topic or person, it falls apart when I dig into it. I admit it may be my very subjective impression – of course it is nurtured by the actors strive for profiling or just popular videos, etc. However I think I have a case here. Let me give you three examples:

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Libor wird künftig von NYSE Euronext verwaltet

Ich will nur selten einen einzigen Link zu einem Zeitungsbeitrag posten (ausser via Twitter). Aber dieser Titel und der Aufmacher sind einfach zu gut, um es nicht zu posten. Ohne weiteren Kommentar (via NZZ):

Die Verwaltung des Libor geht vom Britischen Bankenverband an die amerikanische Börse NYSE Euronext. Sie soll das verlorene Vertrauen wiederherstellen.

Na dann: Prost!

Noch ein anderer kurzer Aspekt zur Libor-Affäre die selbst eine eigene Diskussion Wert wäre: Wir wissen seitdem auch offiziell, dass der Libor über Jahre (Jahrzehnte?) systematisch falsch erhoben und manipuliert wurde. Haben da Ökonomen schon hinterfragt, inwiefern man weiterhin den Libor als Zins in das ökonometrische Modell aufnehmen soll? Wieviele Schätzungen sind rückblickend nun beeinträchtigt oder gar als grundfalsch einzustufen? Verglichen dazu, war das Reinhardt-Rogoff-Bashing wohl ein Kaffeekränzchen…

– JAS

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How Little We Know About China, Financialization and Macro-Variables

Save yourself a glass of wine on today’s warm summer evening and get stunned by this copper financialization scheme.

If I find some time I’ll try to comment a little more on this. It could basically solve or give interesting aspects to a lot of issues… like: The China’s Fake Growth Puzzle – was it copper other than gold – or even both? Today’s credit crunch in China. China’s current account issues. Chinese physical gold run.
We’ll be thrilled to see the size of this scheme unraveling! Or maybe we will regret – if the pessimistic voice of Tyler@Zerohedge and less so Goldman, is to become true…

Also, I find it a good time to chuckle a bit about the exact science of economics. What a fallacy to take variables like current account (im)balances in an usually unquestionable manner. Best shown when we cite macroeconomic variables with an accuracy of up to one decimal place. Find that ridiculous? See another mindblower: SNB-President Thomas Jordan’s speech about Switzerland’s current account surplus, and why it isn’t really one. – JAS

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