Rohstoffmärkte, BIZ und das Nazigold

Kommentare zu erwähneswerten Newsperlen:

Vollkommene Rohstoffmärkte

Gerade Rohstoffmärkte oder Elektrizitätsmärkte werden unter Ökonomen als nahezu “vollkommen” bezeichnet. D.h. sie sind gekennzeichnet durch Transparenz (jeder kennt das Produkt), Einheitlichkeit des Produktes (dieselbe Qualität), schnelle Anpassungen und rationale Akteure. Alles zusammen garantiert die “richtige” Preisbildung.

Nunja, es scheint in der Realität dann doch anders zu sein: JP Morgan, Goldman Sachs, HSBC, Xstrata/Glencore – alle sind sie angeklagt genau diese Märkte zu kartellisieren und manipulieren: Aluminium, Elektrizität, Öl (1,2), Silber.

Meine Schätzung: Weitere Anklagen zu anderen Märkten kommen bald. Schliesslich sind diese Akteure in praktisch allen Rohstoff- & Edelmetallmärkten präsent. Natürlich wäre es aber an dieser Stelle verschwörungstheoretisch, denjenigen die dazu (und zur LIBOR-Manipulation) fähig sind, die Manipulation anderer grosser Märkte zu unterstellen ;-).

Für Ökonomen sind die Konsequenzen unter Umständen beträchtlich, denn Rohstoffpreise werden gemeinhin als wichtige Indikatoren verwendet: Hat man sich da auf manipulierte Zeitreihen verlassen wie beim Libor? Darf man hier noch von Gleichgewichtspreisen sprechen? Wie aussagekräftig sind diese Preise noch? Müssen Makroökonomen und Commodity Analysts bald Nachholkurse in “Industrial Organization” nehmen?


Naturwissenschaften und Fälschungsskandale

An der Uni Zürich soll ein Mitarbeiter aufgefordert worden sein, eine Analyse frei zu erfinden.

Ich sehe in dieser Meldung Ausdruck einer Zeit in der immer mehr Institutionen ihre Autorität verlieren oder unter Beschuss sehen. Ich bin überzeugt, wir sind im Beginn des (längerfristigen) Trendes, das Vertrauen in die Institution “Akademie/Universität/Forschung” zu erodieren.


Nazigold & das BIS

Die Briten haben im 2. Weltkrieg den Deutschen geholfen an Devisen zu kommen via der Bank für Internationale Zahlungen (BIZ oder BIS). Was der Schweiz massive inländische und äussere Reputationsschäden (und Zahlungen) in den 90ern beschwert hat, ist wohl auch den Briten anzulasten. Wie gross der Skandal im Falle der Briten sein wird? Meine Schätzung: 0.

Zum BIS liest sich auch dieser Tagesanzeiger-Artikel sehr gut. Es ist eigentlich unglaublich, dass ein solcher Artikel in einem Mainstream-Medium kommt. Bis jetzt waren es vor allem Verschwörungstheorien (siehe auch Sunsteins Definition ;-)), welche die darin präsentierten Fakten und Gerüchte hervorhebten. Unbedingt lesen! Noch im Aufmacher schreibt der Tagi: “Die Organisation soll eine Nazivergangenheit haben.” Später dann Zitate wie “geheime Bank, die die Welt regiert”.

Der spannendste Aspekt für mich ist aber nicht das Spielen mit Verschwörungsklischees, ob wahr oder falsch. Diese lenken m.E. meist vom wirklich (ökonomisch) Brisanten ab: Die Chefs aller wichtigen Zentralbanken treffen sich im BIZ regelmässig. In langen Abenden, von denen nur der erste Teil protokolliert ist, unterhält man sich. Ein Schelm wer dabei denkt, diese Personen würden über (gemeinsame) Geldpolitik und Trends sprechen (anstatt den statutarischen Auftrag wie Clearing etc.)…

-JAS

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3 thoughts on “Rohstoffmärkte, BIZ und das Nazigold

  1. […] (Global Monetary Authority [GMA]). Die institutionellen Köperschaften dazu gibt es ja schon, oder sind am […]

  2. […] “das isch en Telefonierte gsi”: Wenn viel weniger konzentrierte und jüngere Märkte systematisch manipuliert werden, muss selbiges vernünftigerweise auch beim Goldpreis […]

  3. […] resp. mehr oder minder zentral administriert. Das gilt für alle wichtigen Zinsen, alle wichtigen Rohstoffe & alle wichtigen Messgrössen wie Konsumgüterpreise (Inflation) und darum auch BIP, […]

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