Makroprudenzielle Massnahmen à la Chinoise

Die Aufsichts- und v.a. Eingriffsrechte von Finanzmarktaufsichtsbehörden und Notenbanken werden zurzeit durch sogenannte “makroprudenzielle Massnahmen” machtvoll erweitert. Ein Beispiel ist der “antizyklische Eigenkapitalpuffer” für Hypotheken, welcher der Schweizer Bundesrat diskretionär erhöhte. Nun erreicht uns aus China ein Beispiel von einer weit fortgeschrittenen makroprudenziellen Massnahme 😉 (via Spiegel):

Chinas Zensoren wollen offenbar die Sorgen über eine Kreditklemme eindämmen. Laut “Financial Times” haben lokale Propagandaabteilungen mehrere Zeitungen und Fernsehstationen angewiesen, bei ihrer Berichterstattung über mögliche Geldnöte chinesischer Banken eine moderatere Ausdrucksweise zu wählen. Redakteure sollten aufhören, eine “sogenannte Kreditklemme zu hypen”, heißt es demnach in einer Direktive lokaler Zensurbehörden. “Medien müssen ihre positive Berichterstattung verstärken”, und weiter: “Sie sollten die positiven Aspekte unserer derzeitigen ökonomischen Situation hervorheben und das Vertrauen an dem Märken stärken.”


Spass bei Seite: Ich empfehle Interessierten zum Thema MM ein DeutscheBank-Paper vom Juli 2012. Es beinhaltet auch eine Übersicht geplanter institutioneller Änderungen zur  FED, ECB sowie BoE und deren makroprudenzieller Instrumente. Es ist m.E. spannend, wie eindeutig zu sehen ist, wohin die Reise geht. Für Lesefaule der Einstieg ins Thema und kurzes Abstract hier:

Vor Ausbruch der Finanzkrise waren die Aufgabenfelder der Geldpolitik und Finanzaufsicht klar voneinander abgegrenzt: Die Geldpolitik war für die Preisstabilität zuständig, während das Aufsichtssystem die ordnungsgemäße Führung und finanzielle Stabilität der Finanzinstitute zu überwachen hatte. Was jedoch fehlte, war eine ganzheitliche Überwachung des Finanzsystems mit dem Ziel und Mandat, die Stabilität des Finanzsystems als Ganzes zu sichern.

Unter der Überschrift „makroprudenzielle Aufsicht“ verfolgen Politik und Aufsichtsbehörden seither einen neuen Ansatz. Dieser hat vor allem präventiven Charakter und sieht einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Finanzstabilitätsrisiken vor. Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: 1) Abwehr systemischer Risiken durch die Steuerung von Kredit- und Vermögenspreiszyklen und 2) Steigerung der Widerstandskraft des Finanzsystems gegenüber systemischen Schocks.

Das Paper schliesst mit Schlussfolgerungen für die eigene der Bank. Sie wird künftig noch mehr Ressourcen für das Vorhersagen von Verhalten der Aufsichtsbehörden und Notenbanken investieren als heute. Ein weiterer und logischer Schritt weg vom selbstverantwortlichen Managen der eigenen Aktivseite, hin zu einer compliance-Kultur:

Für die Marktteilnehmer stellen die neu geschaffenen Aufsichtsbehörden potenziell einflussreiche Akteure dar, deren Maßnahmen sich direkt auf den Geschäftserfolg auswirken können. Ein gutes Verständnis für die polit-ökonomischen Treiber finanzaufsichtlicher Maßnahmen kann sich als wichtiger Wettbewerbsvorteil erweisen.

Die Bilanzverantwortung der Geschäftsbanken wird weiter zentralisiert – noch mehr als anhin schon, durch das Zentralbankensystem. Was bringt der Allgemeinheit am Schluss die neue Verantwortung? Antwort:  Je stärker die “instutionelle Stärke” und die “Wirksamkeit der Instrumente” der “Aufsicht”, desto eher wird das Wohl- und Weh der Gesellschaft von der Weisheit, Sehkraft und Unbefangenheit dieser zentralen Behörden abhängig werden:

[. . .] Ob sich das neue System bewährt, wird u.a. von der Umsetzung makroprudenzieller Politik in die Praxis abhängen. Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren zählen die institutionelle Stärke der Aufsicht, die Wirksamkeit ihrer Instrumente sowie die Qualität ihrer Analyse

– JAS

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3 thoughts on “Makroprudenzielle Massnahmen à la Chinoise

  1. […] expansion. Meanwhile Schumpeter pointed to the risks of this. He favoured single banks which are accountable for their balance sheet. Otherwise banks would lose their incentives to direct purchasing power in “useful” […]

  2. […] Jean-Pierre Danthine sprach am 11. Oktober in Lugano über die Fortschritte in der Implementierung makroprudentieller Massnahmen. Danthine’s Bericht bestätigt den schon beschriebenen Trend der Bankenregulierung 2.0: Die […]

  3. […] makroökonomischer Steuerung (Geldpolitik schlechthin, Rechnungslegungsstandards oder makroprudentielle Massnahmen) zu verstehen. Mal schauen wie es beim Golde […]

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