Update: Schweden

Hr2 der Tag – ein toller Podcast, den ich nur empfehlen kann. Eine Stunde lang wird ein Thema von vielen Richtungen und Methoden und Stimmen betrachtet. Gestern erschien eine Episode über Schweden. Das Intro liest sich praktisch 1:1 wie von TES inspiriert 😉 und behandelt die Themen der Segregation und der Einwanderung – speziell in Schweden, generell in Europa:

Schweden: war das nicht immer das Land des sozialen Ausgleichs, das von den Schweden gern so genannte Volksheim, in dem Konflikte rational ausgetragen werden und wo, schlimmstenfalls, melancholische Kommissare ihre Ganoven hinter die sprichwörtlichen Gardinen bringen mussten? Alles falsch. Seit Tagen schon brennen in den Vorstädten die Autos, werden Geschäfte abgefackelt, ziehen wütende Jugendliche randalierend durch die Straßen ? Szenen wie in Frankreich und London, und wie dort sind es offenbar oftmals Jugendliche mit Migrationshintergrund, die militant gegen Entfremdung und Benachteiligung protestieren – Ende von Multikulti?

Direktdownload (.mp3): via hr2

Meinung:

Meine Ansichten von meinem ersten Post sehe ich grundsätzlich bestätigt. Aber nicht alles wird gleich eingeschätzt: Die Frage, ob jetzt in Schweden sich wirklich was in der öffentlichen Diskussion ändern wird, glaubt eine erste Journalistin (@Minute 10, 25 Jahre in Schweden wohnend) nicht. Sie sagt, es sei ein “soziales Problem” von “Schulen, Ausbildung, Armut, Polizeiversagen, Sozialarbeitskürzung” und glaubt, dass eher dies die öffentliche Diskussion beherrschen wird/tut. Spannend, und entgegen vieler nicht-schwedischer Medien, z.B. dem Economist. Wie auch immer, inhaltlich betrachte ich diese Abgrenzung zwischen Immigration und “soziales Problem” als grösstenteils müssig. Selbstverständlich sind all diese Probleme “soziale Probleme”, auch Segregation ist m.E. ein soziales Problem. Hr2 übernimmt diese “Hypothese” des “sozialen Problems.” D.h. implizit nimmt hr2 damit die Einwanderung als gegebene Grösse an und der Integrationsaufwand wird konsequent der einheimischen Bevölkerung zugeschrieben. Mir erscheint das zu vereinfacht. Hier vermisse ich die mehreren Perspektiven zum Thema. Wenns im Gebälk von gewachsenen Strukturen und Institutionen zu knarren beginnt, ist die Erkenntnis und Aufforderung, der Zimmermeister müsse mehr reparieren zu dünn. Immerhin erzählt der podcast auch immer wieder, wie es zum Knarren kam – das ist der Wert des podcastes für mich.

Fazit: Die Arbeitshypothese (was es zu beweisen gab) schien vor Aufzeichnung festzustehen. Hörenswert? Trotzdem: ja.

 

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