Japan Update: Auf zu höheren Zinsen

Neues vom grössten, zur Zeit stattfindenden monetären Realexperiment der Nachkriegsgeschichte! Bereits hat sich dafür die Bezeichnung “Abenomics” eingebürgert! Japans unglaubliches quantitative easing (“Gelddrucken” und damit Wertpapiere kaufen) zeigt nun bereits nach knapp 2 Monaten eine erste Änderung in der Dynamik – erste Nervosität kommt auf (1,2)…

Zur Problematik Japans

Um wirklich kurz und grob und faul die Problematik von Japan zu verstehen, mag einigen vielleicht dieses Video helfen dieses Video (leider Englisch).

Kurz: Japan ist der höchstverschuldete Staat der Welt, 23 mal die gesamten Steuereinkommen sind verschuldet. Die jährlichen Steuereinnahmen decken noch grob 88% der Ausgaben des Staates – und das seit Jahren. Müsste Japan 4% anstatt aktuell unter 1% auf all seine Schulden verzinsen, würde alle Steuereinnahmen in den Zinsdienst fliessen. Dies zeigt, wie kritisch ein Anstieg der Zinsen ist – jeder Basispunkt drückt.

Der Verlauf seit Beginn der “Abenomics”

Zuerst , in der Zeit nach der Ankündigung am 4.4.13 sanken die Zinsen für Staatsanleihen (sog. “JGB’s”), die Aktien starteten sofort durch und der Yen schwächte sich ab – soweit wie von der Regierung und Zentralbank vorgesehen. Damit stieg die Überzeugung am Finanzmarkt, dass die BOJ & Abe dieses Mal tatsächlich Erfolg haben könnte – nach ungezählten, erfolglosen Aktionen seit 1991. “Erfolg” meint hier, dass die Inflationserwartungen steigen – Abe sprach von einem 2% Ziel. Dabei wurde wohl vergessen (vielleicht auch nicht), das der “rationale Investor” (im Wording von Kyle Bass und Peter Schiff) sobald er an die Inflation glaubt, JGB’s verkaufen wird um Aktien zu kaufen. So steigt nun in Folge die Zinsen für JGB’s wieder. Heute knapp bei 0.85% (10 jähriger JGB) nach grob 0.4% auf dem Tief nach dem Programmstart.

Sidestory: Japan ist seit der der Dreifachkatastrophe und dem angekündigten (zumindest teilweisen) Atomausstieg grosser Energieimporteur. Zusätzlich haben viele Firmen ihre SupplyChains ins Ausland verlegt oder deren Kunden (z.B. WesternDigital). Damit hilft der Exportindustrie der schwächere Yen nicht mehr wie früher – sondern die Importe (Vorleistungen und Energie) steigen gleichwohl. So hatte laut ersten Zahlen der schwächere Yen keinen Einfluss auf das Aussenhandelsbilanzdefizit.

Was das bedeutet

Die Notenbank schafft es also nicht, trotz täglicher Interventionen am Markt und Kaufen der Staatsanleihen, die Zinsen zu senken! Oder in anderen Worten: Das grösste Anleihenaufkaufprogramm der Geschichte (am BIP gemessen weit grösser z.B. als das amerikanische QE3) ist zu kein! Deswegen schliesse ich mich auch Kyle Bass’ Schlussfolgerung an, dass wir noch eine Vergrösserung dieses Aufkaufprogramms sehen werden – später vielleicht sogar eine Ausweitung auf andere gewichtige Zinspapiere wie (Geschäfts-) Hypotheken, um die Konjunktur nicht ob der höheren Zinsen zu “töten”.

Ein weiterer Schritt in Richtung “Nikkei 63 Millions!” – das wohl beste Paper zum Thema. Das beste Video 😉 findet ihr hier. – JAS

 

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One thought on “Japan Update: Auf zu höheren Zinsen

  1. […] kleine, aber Interessante Meldung zu Japans Geldexperiment via Boerse-Go. Der Präsident der Notenbank von Japan (BOJ) fordert die Banken auf, mehr Kredite […]

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